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Michael Strompen, Hauptredaktion Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik
Katrin Helwich, Referentin des Chefredakteurs
Jo Schück, Hauptredaktion Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik,
Redaktion »Länderspiegel«

Watergate-Affäre – Der junge Polit-Talk mit »KAVKA« live aus Berlin

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Michael Strompen
Michael Strompen


Katrin Helwich
Katrin Helwich


Jo Schück
Jo Schück



Markus Kavka
Markus Kavka


Vorspann zu »KAVKA«
Vorspann zu »KAVKA«








 Alles anders, alles neu. Jung, lässig und provokant. Darunter wollten wir es natürlich nicht machen. Eine neue Sendung sollte her, für die im ZDF lange Zeit schmählich vernachlässigte Zielgruppe der »twenty-somethings«. Politisch sollte sie sein, dabei unterhaltsam und frisch. Und vor allem authentisch. Denn nichts wäre peinlicher als der Vorwurf, das ZDF mache jetzt auch auf jung und rede wieder nur über junge Leute statt mit ihnen.

Am Anfang stand die Überlegung: Wer sind überhaupt die Jungen, die wir ansprechen wollen? Die Generation der 20- bis 40-Jährigen ist alles mögliche, vor allem aber – kaum greifbar: Unsere Altersgenossen wären gerne etwas anderes geworden und lieben ihren Job. Sie wählen CSU und lesen die taz. Sie kaufen CDs und laden illegal Musik herunter. Sie sehen toll aus und haben keinen Geschmack. Sie sind interessiert und ahnungslos.

Eine Generation ohne gemeinsame Vision, ohne Zusammengehörigkeitsgefühl, ohne das eine Gesicht. Und doch verbindet sie mehr als nur das Alter: ein freies Europa, der 11. September, die Globalisierung, Mobilität, Fernbeziehungen, eine Jugend mit Massenarbeitslosigkeit und Hartz IV.

Wir machten uns auf die Suche. Erstens: nach einem Moderator, der bekannt ist und vor allem die notwendige »credibility« mitbringt. Zweitens: nach der richtigen Location. Urban sollte sie sein, raus aus den sterilen Sets der Fernsehstudios, rein in einen Raum, den junge Menschen ohnehin besetzen: einen Musikclub zum Beispiel. Drittens: nach Meinungen. Wenn man Menschen ernst nehmen will, muss man sie auch zu Wort kommen lassen. Und zwar live und direkt.

Gesucht, gefunden: Unser Moderator wurde Markus Kavka, Urgestein des Musikfernsehens. Mit ihm sind viele der heute 20- bis 40-Jährigen groß geworden. Unseren Musikclub fanden wir in der Stadt, in der es nun mal die besten deutschen Clubs gibt, in Berlin. Das »Watergate« an der Oberbaumbrücke, eigentlich Hort der elektronischen Musikszene der Hauptstadt – und nun auch Fernsehstudio. Via Webcam konnten sich die Zuschauer direkt dorthin schalten, um ihre Geschichte zu erzählen.

Dank der Unterstützung durch den Kreativitätsfondsausschuss (KFA) des ZDF, durch die Hauptredaktion Innenpolitik und den ZDFinfokanal konnten wir im April 2009 schließlich tatsächlich auf Sendung gehen – live im ZDFinfokanal und auf zdf.de.

In dem ersten monothematischen Piloten fragten wir: »Arbeit ist das ganze Leben?!« Schließlich ist von Kindheit an unser ganzes Leben auf den Beruf ausgerichtet, der Existenz sichern, Sinn stiften und Spaß machen soll. Doch kann und muss ein Job überhaupt glücklich machen, oder ist in Krisenzeiten der Traum vom Sich-Selbst-Verwirklichen ein Luxus, den wir uns gar nicht leisten können? Burnout, Null Bock, Stress und Sinnkrise, auch sonst läuft im Beruf bei vielen so manches schief.

Besonders überrascht hat uns schon im Vorfeld der Sendung die überwältigende Resonanz auf den kleinen Piloten. Auf eine schlichte Pressemitteilung folgte eine ganze Flut von Porträts, Interviews und Ankündigungen. Die taz prophezeite gleich ein »Wunder von Mainz«. Eines wurde in jedem Fall deutlich: Der Hunger nach neuen Gesichtern, nach neuen Formaten, die über Lebenshilfe für einsame Bauern, gestresste junge Eltern oder aufstrebende Stars hinausgehen, ist offenbar groß.

Unsere eigene Bilanz nach »KAVKA« Nummer eins war ambivalent: Die Ingredienzien haben gestimmt, die Mischung noch nicht ganz. Die Location lieferte tatsächlich die richtige Atmosphäre: tolle Bilder vor toller Kulisse. Selten hat man im ZDF ein so junges, urbanes Publikum gesehen.

Auch die für das Format so wichtige Haltung stimmte: Markus Kavka hatte sich nicht verbogen, er sprach mit den Leuten, nicht über sie. Einspieler und Verpackung passten zum gesamten »Look and Feel«. Nachholbedarf gab es dagegen in punkto Sendungsdramaturgie, Moderatorenrolle und technischer Umsetzung der Webcam-Schalten.

Nach einer Auswertung der Zuschauer- und Kollegenschelte sowie der Twitter- und Forumseinträge haben wir die Sendung im Sommer weiterentwickelt: mehr Studiogäste, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, weg von der Kleinteiligkeit der Elemente. Markus Kavka sollte sich ausschließlich auf eine kleine Talkrunde konzentrieren. Für die Interaktion mit Publikum und Netzgemeinde haben wir Jo Schück als Sidekick an Bord geholt.

Im Oktober gingen wir mit »KAVKA« Nummer zwei an den Start, Thema: »Generation Warmduscher – Wo bleibt der Aufstand der Jungen?« Umweltsünden, Staatsverschuldung, Job-Misere. Warum gehen junge Menschen nicht auf die Barrikaden, wundern sich einige der 68er-(Groß-)Eltern. Die Jungen selbst sehen das Leben in der gefühlten Dauerkrise aber pragmatisch. Weil sie die Welt nicht in Gut und Böse, Richtig und Falsch einteilen können und wollen? Weil sie ganz einfach und selbstverständlich Müll trennen, mit der Bahn fahren und sich in NGOs engagieren, anstatt lautstark Forderungen zu stellen? Oder weil ihnen die eigene Karriere einfach wichtiger ist als das Gemeinwohl?

Warum die Jungen so sind, wie sie sind, darüber entwickelte sich eine Diskussion zwischen dem ZEIT-Feuilletonchef Jens Jessen, der politischen Aktivistin Hanna Poddig und einer bekennenden Nichtwählerin, Erntekönigin und jungen Mutter. Die gerade von jungen Leuten unterstützte und selbst ernannte Protestpartei der »Piraten« stattete der Sendung zu Wasser einen Besuch ab und legte mit einem bunten Floß an der Außenterrasse des Watergate-Clubs an.

Unser Fazit nach »KAVKA« zwei: Die Änderungen im Format haben sich gelohnt. Auch die Onlinepresse honorierte unseren zweiten Anlauf: »Wer zusieht, fühlt sich nachher tatsächlich angesprochen und fragt sich: Wann bin ich das letzte Mal auf die Straße gegangen? Und wie drückt man am besten aus, dass man nicht einverstanden mit dem ist, was gerade in der Politik passiert? So kann öffentlich-rechtliche Grundversorgung funktionieren, wenn sie sich traut, Debatten anzuregen. Wenn das ZDF klug ist, macht es weiter damit.« (faz.net)

Natürlich lief auch beim zweiten Mal nicht alles glatt. Zum Beispiel gab es trotz unterschiedlicher Positionen der Studiogäste noch zu wenig Schlagabtausch. Auch die Kommentare der Zuschauer hätten die Gespräche im Studio stärker aufheizen können. Mehr Lebendigkeit und Meinungsaustausch – das Diskussionspotenzial hätte noch besser ausgenutzt werden können.

Ob das Experiment funktioniert hat, ob es zum ZDF passt, darüber müssen nun andere befinden. Auf alle Fälle hat es Riesenspaß gemacht, gemeinsam mit einem tollen Team aus Produktion und Technik etwas Neues zu probieren. Dank der Unterstützung so erfahrener und für alles offener Kollegen wie Juergen Grosse sind wir unserem Ziel, manches anders und neu zu machen, ein Stück näher gekommen: mit jungen Menschen in ihrer Sprache über politische Themen zu sprechen und gleichzeitig eine unaufdringliche Coolness zu vermitteln. Etliche Mails und Twitter-Beiträge, viele Anrufe per Webcam und das gute Feedback von Freunden und Kollegen bestärken uns darin: Bitte weitermachen …!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 
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