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Jutta Lieck-Klenke
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Jutta Lieck-Klenke, Geschäftsführerin Network Movie

Der Landschaftskrimi
Ein schöner Ort für den Mord

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Jutta Lieck-Klenke
Jutta Lieck-Klenke



Hans Hohlbein, Bjarne Mädel, Marcus Mittermeier und Christiane Paul in »Die Tote vom Deich«
Hans Hohlbein, Bjarne Mädel, Marcus Mittermeier und Christiane Paul in »Die Tote vom Deich«


»Ein Dorf sieht Mord«: Lavinia Wilson, Corinna Harfouch und August Zirner
»Ein Dorf sieht Mord«: Lavinia Wilson, Corinna Harfouch und August Zirner


»Schandmal – Der Tote im Berg«: Team bei der Arbeit
»Schandmal – Der Tote im Berg«: Team bei der Arbeit


Max Riemelt auf gefährlichen Höhen
Max Riemelt auf gefährlichen Höhen


Tobias Oertel, Katja Flint und Max Riemelt in »Schandmal – Der Tote im Berg«
Tobias Oertel, Katja Flint und Max Riemelt in »Schandmal – Der Tote im Berg«


Elif Senel
»Unter anderen Umständen – Tod im Kloster«: Annett Renneberg und Natalia Wörner
 

Das liebste Abendprogramm des deutschen TV-Zuschauers ist nach wie vor der Krimi. Der deutsche Krimi wuchs in den Großstädten dieses Landes auf. Die meisten ihrer Art spielen klassisch in einem städtischen Milieu, und dort werden sie auch gedreht.

Doch mit »Ein Dorf sucht seinen Mörder« lenkt Markus Imboden schon 2002 das Interesse der Zuschauer mit Erfolg auf einen Mikrokosmos. Und der ZDF-Fernsehfilm entdeckt das Ländliche als einen Ort, der viel zu bieten hat an erzählerischem und visuellem Potenzial.

2006 etabliert Reinhold Elschot mit Matti Geschonnecks Network-Movie-Film »Mord am Meer« – in den Hauptrollen Heino Ferch und Nadja Uhl – das Format »Landschaftskrimi« auf ganz besondere Weise. Hinter der Krimihandlung, die uns zunächst in ein Dorf nahe Husum führt, verbirgt sich ein Familiendrama mit einem komplexen politischen Hintergrund, das uns schließlich zurück nach Berlin in eine urbane Umgebung bringt. Mit diesen für den Fernsehfilm überraschend eingesetzten Gegensätzen von Land und Stadt entdecken wir ein weiteres Potenzial, das bis dahin nicht oft genutzt wurde. Der Film war nicht nur ein großer Zuschauererfolg, er erhielt auch viele Preise und Nominierungen.

2006 entsteht auch der erste Film unserer Krimireihe »Unter anderen Umständen« mit Natalia Wörner als ermittelnder Kommissarin in Schleswig und Umgebung. Nach dem eindrucksvollen Quotenerfolg sind mittlerweile vier weitere erfolgreiche Filme in der Reihe entstanden, die unter anderem die Popularität eines auf den ersten Blick so unspektakulären Schauplatzes deutlich machen. Die Nähe zu Ostsee und Schlei sowie die faszinierende Natur üben als Orte des Geschehens eine ganz besondere Anziehungskraft auf den Zuschauer aus.

2007 inszeniert Matti Geschonneck »Die Tote vom Deich« mit Christiane Paul in der Hauptrolle, die Geschichte spielt wieder an der Nordseeküste. Der große Quotenerfolg bestätigt erneut, dass es für die Zuschauerinnen und Zuschauer attraktiv ist, wenn sich die Handlung in einer überschaubaren Welt entfaltet. Familienstrukturen haben sich hier noch nicht gänzlich aufgelöst, sondern spielen im Gegenteil eine maßgebliche Rolle, wenn es darum geht, hinter das Motiv einer Tat zu kommen.

2009 produziert Network Movie »Ein Dorf sieht Mord« mit Lavinia Wilson, August Zirner und Corinna Harfouch als Montagsfilm der Woche. Der geheimnisvolle Krimi spielt in einem Dorf in der Nähe von Gorleben. Die dortige Anti-AKW-Bewegung der 80er Jahre liefert den Hintergrund für einen spannenden Familienkonflikt und führt zur Aufklärung einer Mordserie. Das Drehbuch entstand nach Motiven des Romans In unnütz toller Wut des holländischen Bestsellerautors Maarten ´t Hart. Die Handlung wurde vom niederländischen Friesland ins malerische Wendland verlegt. Doch die Idylle erweist sich als trügerisch.

Im Landschaftskrimi passieren die Morde dort, wo es besonders schön ist, wo wir gern Urlaub machen und uns erholen möchten: am Meer, in den Bergen, in einsamen Fluss- oder Seenlandschaften. Dann bricht die Gewalt über die Idylle herein, zerstört die friedliche Beschaulichkeit, demaskiert den schönen Schein. Schauen wir uns das so gern im Fernsehen an, weil die schönen Bilder uns mitnehmen auf eine scheinbar romantische Fantasiereise, um uns dann umso mehr das Gruseln zu lehren? Oder kommen uns diese Filme allein deshalb schon so nah, weil uns die ländlichen Gegenden vertrauter sind als die gro-ßen Städte? 80 Prozent der Fernsehzuschauer sind in Kleinstädten und auf dem Land zu Hause und nicht in der Großstadt, wo Morde ja traditionell eher verortet werden. Aber das allein kann es nicht sein, was uns da fasziniert. Da ist noch mehr: die tief verwurzelte, archaische Sehnsucht nach der Natur, nach dem Ursprünglichen. Und wenn hinter der Fassade von Schönheit das Gefährliche zum Vorschein kommt. Wie unheimlich, wenn jede vermeintliche Sicherheit des Idylls verloren geht, die heile, glückliche Welt mit enormer Wucht zerstört wird, das Böse aus dem Nichts auftaucht. Die unberührte Natur ist um uns herum, und in uns kommt eine dunkle Seite zum Vorschein. Die Landschaft wird zum Spiegel des Unbewussten.

Die isolierten Orte, in die die Handlungen verlegt sind, scheinen letztlich auch einen spannenden Gegenentwurf zum Global Village darzustellen. Und je vernetzter, virtueller und polyglotter die Web 2.0-Facebook-Community vor dem Laptop sitzt, umso eigenwilliger werden die Kommissare, die sich in den Landschaften und Orten bewegen. Romantik 2.0. Die Sehnsucht nach einem Ort fernab aller Zwänge, fernab der Errungenschaften der Zivilisation, ist die gleiche geblieben wie zu Zeiten Caspar David Friedrichs. Und wir geben uns heute gern 90 Minuten der Illusion hin, dass es einen solchen Ort geben könnte – wären da nicht Mord und Totschlag, deren Aufklärung uns erst recht in Atem halten.

Network Movie dreht mittlerweile mehr Filme in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, in der Eifel oder im ländlichen Bayern als in den Städten.

Im Sommer 2010 sind wir für unseren nächsten Landschaftskrimi bis in die Alpen gefahren. Für »Schandmal – Der Tote im Berg« drehten wir mit Katja Flint, Max Riemelt und Herbert Knaup an der Zugspitze. Die psychologische Fallhöhe der Figuren entspricht hier ganz der realen Fallhöhe eines Kletterers am Abgrund. Um bestimmte Szenen zu drehen, hing das gesamte Team tagelang mit Seilen gesichert »in der Wand« und trotzte dem Wetterumschwung. Solche Produktionen bedeuten für eine Produktionsfirma eine weitaus größere Anstrengung als ein Dreh in der Stadt. Das gesamte Team ist für Wochen von zu Hause weg, Drehorte müssen erwandert werden, das Wetter ist völlig unkalkulierbar, und eine eingespielte Infrastruktur gibt es nicht. Aber es lohnt sich immer wieder! Für die Spannung und den Unterhaltungswert, die solch ein faszinierendes Panorama erzeugen kann.






















 
 
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