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2010  
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Nicole Keeb, Hauptredaktion Kinder und Jugend, Leiterin der
Stabsstelle Programmeinkauf und Koproduktionen

Internationale Koproduktionen im Kinderprogramm
»H2O« – ein Erfolgsmodell

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Nicole Keeb
Nicole Keeb



»H2O – Plötzlich Meerjungfrau«
»H2O – Plötzlich Meerjungfrau«
 

»Wickie … und die starken Männer«, der Zeichentrickklassiker aus dem Jahr 1974, war der Prototyp. Um die Originalbücher von Runer Jonsson qualitativ hochwertig umsetzen zu können, beschlossen die Verantwortlichen für das ZDF-Kinderprogramm, mit internationalen Partnern zusammenzuarbeiten und entwickelten ein effizientes Finanzierungssystem. Die erste internationale Koproduktion im Kinderprogramm war geboren. Dieses Erfolgsmodell funktioniert auch heute noch wunderbar, wie die Geschichte von »H2O – Plötzlich Meerjungfrau« beweist.

2010 ist das Jahr der Meerjungfrau, zumindest im Bereich der internationalen Koproduktionen der Hauptredaktion Kinder- und Jugend: Unsere ZDF-Erfolgsserie »H2O – Plötzlich Meerjungfrau« ist mittlerweile fast überall auf der Welt präsent. In London ließ Nickelodeon die »H2O«-Stars auf die berühmten roten Doppeldeckerbusse plakatieren – »H2O« wurde Stadtgespräch. In Shanghai erarbeitet in diesem Jahr Zhong TianXiao, Studio Fantasia, das Design der Animationsserie »H2O – Plötzlich Meerjungfrau« und kreiert eine Unterwasserwelt im Zeichentrickformat. Das Team in Shanghai arbeitet dabei gemeinsam mit dem Studio Les Cartooneurs aus Paris. Zwischen Mainz und Brisbane gibt es bereits Überlegungen für drei »H2O«-Spielfilme, und in Hamburg wurde die dritte und zunächst letzte Staffel der Serie synchronisiert.

Die Geschichte der drei Meerjungfrauen begann 2005 auf einer Parkbank in Cannes während der Internationalen Fernsehmesse. Jonathan M. Shiff, unser langjähriger Produktionspartner aus Australien, dachte mit uns gemeinsam über ein neues Projekt nach. Es sollte nicht nur wieder in Australien und Deutschland ein Erfolg sein, sondern Kinder auf der ganzen Welt ansprechen. Seit einigen Jahren hatten ZDF tivi und ZDF Enterprises sowie Jonathan M. Shiff bereits Kinder- und Jugendserien mit Fantasy- und Science-Fiction-Elementen erfolgreich produziert, beispielsweise »Total Genial« und andere. Das neue Projekt sollte genau in diese Richtung gehen. Wir wollten zeigen, wie das Wunderbare und Märchenhafte den Weg in den Alltag von Kindern und Jugendlichen im 21. Jahrhundert findet.

Gemeinsam entwickelten wir die Story von den drei Teenagern Emma, Cleo und Rikki, die sich bei der geringsten Berührung mit Wasser in Meerjungfrauen verwandeln – dank einer geheimnisvollen Macht, die bei Vollmond ihre ganze Kraft entfaltet. All dies sorgt in dem ohnehin schon verwirrenden Alltag der Teenager für reichlich Chaos, da niemand etwas von diesem fantastischen Geheimnis erfahren darf.

Mit viel Herzblut wurde an der australischen Goldküste gecastet, ausgestattet, gedreht und geschnitten. Alle Arbeitsschritte zwischen Deutschland und Australien diskutiert, abgestimmt, gemeinsam entschieden. Entstanden ist ein Format, das offensichtlich den Geschmack der Kinder getroffen hat und auch älteren Zielgruppen Spaß macht: Ein durchschnittlicher Marktanteil bei den Zehn- bis 13-Jährigen von 20,6 Prozent im KI.KA, 16,2 Prozent bei ZDF tivi (bei den Drei- bis 13-Jährigen) und ein überzeugender Gesamtmarktanteil (bis zu 17,2 Prozent am frühen Sonntagmorgen) beweisen, dass «H2O« ein Programm für die ganze Familie ist.

Bei so vielen Fans war ein opulentes Onlineangebot obligatorisch. Auch hier ist das Ergebnis beachtlich: Mit dem Start der dritten Staffel im Mai 2010 rangiert der Titel auf Platz drei im ZDF-Ranking. Außerdem sind die »H2O«-Internetseiten mit 6,8 Millionen Pageimpressions das bisher beliebteste Angebot bei www.zdftivi.de überhaupt, die »H2O«-Abrufvideos erzielten im Mai 2010 einen Rekordwert von 1,18 Millionen Sichtungen.

In der Psyma Research+Consulting-Studie von 2008 zum Thema wird das Phänomen wie folgt erklärt: »Die Serie bietet einen interessanten Mix aus Realität und Fantasie, ist spannend und mit Humor angereichert. Genau diese einzigartige Kombination begeistert die Zuschauer. Die magischen Elemente der Geschichten versprühen eine geheimnisvolle Aura und wecken sowohl bei Jung als auch bei Alt Fantasie und laden zum Träumen ein«.

Das Konzept von »H2O« taugt aber nicht nur für den deutschen Fernsehmarkt, auch die internationale Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Die bisher 78 Folgen wurden von ZDF Enterprises in 148 Länder verkauft, von 100 Millionen Menschen weltweit gesehen und wurden – erstmals für eine außerhalb der USA produzierte Kinderserie – von Nickelodeon US übernommen.

Kinder auf der ganzen Welt durchleben dieselben Entwicklungsphasen und haben sehr ähnliche Wünsche und Fantasien. Genau da setzen wir mit unseren Ideen und Konzepten für Produktionen an, sei es im Live-Action-Bereich oder bei Animationsserien. Im Kinderprogramm bietet sich deshalb eine Zusammenarbeit auf internationaler Ebene besonders an. Bestimmte universelle Themen können wir durch spannende Geschichten – wie zum Beispiel die Abenteuer der Meerjungfrauen – für unsere jungen Zuschauer weltweit aufarbeiten. Die märchenhafte und fantastische Überhöhung eines Themas wie bei »H2O« macht die Geschichten überall verständlich.

Animationsserien haben es traditionell leichter auf internationalem Parkett. Sie entstehen auch wegen der hohen Herstellungskosten oft in Partnerschaften mit Produzenten und Sendern aus verschiedenen Ländern. Im ZDF-Kinderprogramm hat man übrigens schon Anfang der 70er Jahre die Vorteile dieser Koproduktionen erkannt. Bereits »Wickie … und die starken Männer«, später »Heidi« und »Die Biene Maja« wurden zusammen mit internationalen Partnern und Taurusfilm in Japan produziert. Das ZDF-Kinderprogramm setzt auch heute auf langjährige internationale Partnerschaften (in diesem Fall mit unserem australischen Produzenten). Denn im Bereich der Live-Action-Serien ist es erfahrungsgemäß noch komplizierter als bei der Animation, thematisch und vor allem künstlerisch einen Konsens zu finden, einen »Look and Feel« des Programms zu kre­ieren, der auch weltweit das Publikum fesselt, wie dies mit »H2O« gelungen ist. Nur gemeinsam und in vertrauensvoller Zusammenarbeit konnten wir inhaltlich sowie finanziell die Voraussetzungen für ein derartig opulentes Programm voller Special Effects und Unterwasseraufnahmen schaffen.

Mit »Dance Academy«, unserer neuesten Dramaserie, erweitern wir das Portfolio der deutsch-australischen Koproduktionen. Diesmal geht es um die 16-jährige Tanzstudentin Tara aus dem australischen Outback, die sich an Sydneys berühmter »Academy of Dance« strengen Lehrern, freundlichen und weniger freundlichen Kommilitonen und den Gefahren einer Großstadt stellen muss. Diese Teenserie bedient die Themen, die für diese Zielgruppe relevant sind. Es geht unter anderem um die emotionale Abgrenzung von Eltern und Lehrern, um Selbstfindung, um die Gefahr durch Drogenmissbrauch, die Ausgrenzung religiöser Minderheiten sowie um erste Liebe und Sexualität. Trotz der sehr realitätsnahen Schilderung des Alltags in der Leistungsgesellschaft der »Dance Academy« geht es auch in dieser Serie um einen Traum: Wird unsere Heldin Tara es schaffen, Primaballerina zu werden? Diese Story steht stellvertretend für die unterschiedlichsten Lebensträume und Lebensentwürfe der Zuschauer und bietet starkes Identifikationspotenzial für ein weltweites Publikum. In der Kernzielgruppe der Zehn- bis 13-Jährigen erreicht der Titel im ZDF 16,3 Prozent Marktanteil durchschnittlich. Auf dem stark umkämpften und sehr schwierigen Abendsendeplatz im KI.KA zehn Prozent Marktanteil bei den Drei- bis 13-Jährigen. Auch hier scheint der Nerv der Zuschauer getroffen: ZDF Enterprises hat die Serie seit ihrem Launch im April 2010 bereits in 42 Länder verkauft.

Das ZDF-Kinderprogramm beteiligt sich jährlich an bis zu 20 verschiedenen internationalen Koproduktionen. Dies ist nicht nur finanziell interessant, sondern bietet auch inhaltlich und redaktionell eine große Bereicherung. Natürlich funktioniert dies nur mit Partnern, die so wie wir ein hochwertiges und anspruchsvolles Programm schaffen wollen. So war es eine der interessantesten Aufgaben der vergangenen Jahre, die Adaption des Kinderbuchklassikers Der kleine Nick gemeinsam mit dem französischen Sender M6 auf den Weg zu bringen. Der Titel gehört sowohl in Frankreich als auch in Deutschland zum Kanon der gehobenen Kinderliteratur. Selbstverständlich war auch hier die ZDF-Redaktion inhaltlich intensiv eingebunden. Der Erfolg gibt uns Recht: Die nachmittägliche Ausstrahlung im KI.KA erzielt aktuell bis zu 80 Prozent Marktanteil in der Kernzielgruppe der Drei- bis Fünfjährigen und bei den Drei- bis 13-Jährigen dreißig Prozent Marktanteil durchschnittlich.

Ein weiteres Beispiel: Mit der indischen Produktionsfirma DQ-Entertainment entwickeln und produzieren wir gemeinsam (sowie mit ZDF Enterprises und TF1 in Frankreich) »Das Dschungelbuch«. Auch dies ist ein Stoff, der weltweit bekannt ist. Die Kollegen aus Hyderabad produzieren unter anderem für Disney und andere Majors, bringen Mickey, Tinkerbell und Co. seit Jahren in Millionen Wohnzimmer. Hier liegt die redaktionelle Führung ebenfalls beim Team von ZDF tivi. Kiplings Klassiker ist nur der Anfang der erfolgreichen Zusammenarbeit. »Das Dschungelbuch« wird voraussichtlich Ende 2011 in ZDF und KI.KA ausgestrahlt, weitere Adaptionen wie »Peter Pan« sind in Planung.

Wir setzen auch zukünftig auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Sendern und Produzenten aus anderen Ländern, denen wir partnerschaftlich verbunden sind und deren Know-how wir schätzen. ZDF und ZDF Enterprises wiederum sind im Bereich dieser Koproduktionen weltweit zu einer festen Größe und zu einem begehrten Partner geworden. Den Vorteil hat das Publikum. Ob Wickie das 1974 schon geahnt hat?
 
 
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