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2008  
ZDF Jahrbuch
Produktion und Technik
Andreas Bereczky
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Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF

Quo vadis, HDTV?

 
Andreas Bereczky
Andreas Bereczky
  Seit Jahren wird von Vertretern der Konsumgüterindustrie der Einstieg der öffentlich-rechtlichen Sender in die HDTV-Ausstrahlung gefordert. ZDF und ARD haben angekündigt, dass mit Beginn der Olympischen Winterspiele im Februar 2010 der Regelbetrieb in HDTV aufgenommen wird.

Warum erfolgt der Start erst im Jahr 2010? Warum nicht bereits vor zwei Jahren während der Fußball-WM 2006 in Deutschland oder während der Fußball-EM 2008? Der Einstieg in HDTV erfordert eine sorgfältige Analyse der Erwartungen der Zuschauer, der Verfügbarkeit der benötigten Ausstattung auf Sender- und Zuschauerseite und nicht zuletzt eine Analyse der Höhe der notwendigen Investitionen und Folgekosten auf beiden Seiten. Ferner muss die Frage beantwortet werden, was ein Sender sinnvollerweise im HDTV-Regelbetrieb jeden Tag auszustrahlen in der Lage ist.

Die Befürworter eines schnellen Einstiegs in HDTV führen seit Jahren die gleichen Argumente an: Die Haushalte seien in hohem Maße mit HD-ready-Empfangsgeräten (HD ready 1080p, Full HD etc.) ausgestattet. Leider führten die immer neuen Bezeichnungen mit HD-Logos nicht zur besseren Aufklärung der Konsumenten. Oder weiß der Konsument wirklich, was der Unterschied ist zwischen HD ready, HD ready 1080p, Full HD, HDTV, HDTV 1080p, 720p50, 1080i25 oder 1080p50? Ich befürchte nicht. Die Marketingabteilungen haben – bewusst oder unbewusst – vergessen, den Konsumenten mitzuteilen, dass nur mit einem HD-Bildschirm kein HD-Fernsehsignal empfangen werden kann. Anders ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, warum die Forderung, in HD auszustrahlen, bereits 2004/2005 massiv an die Sender herangetragen wurde. Zu Beginn der Fußball-WM im Sommer 2006 waren so gut wie keine HD-fähigen Set-Top-Boxen für frei empfangbare Programme im Handel erhältlich. Wie sollten die Konsumenten dann massenweise ein HD-Signal von ZDF oder ARD empfangen?

Schauen wir die Ausstattung der Haushalte mit HD-Geräten heute an: Laut einer Studie der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) vom März 2008, »Steht HD in 2008 vor dem Durchbruch?«, wurden bis Mitte 2008 sieben Millionen HD-ready-, beziehungsweise HD-ready-1080p-Bildschirme verkauft. Wir wissen allerdings, dass nur mit HD-Bildschirmen kein HD-Fernsehsignal zu empfangen ist. Deshalb ist die Zahl der verkauften HD-Set-Top-Boxen maßgebend, nicht die der Bildschirme. Die gleiche GfK-Studie bescheinigt, dass » … nur die wenigsten Haushalte in der Lage sind, HD-Fernsehsignale zu empfangen«. Es sind bis März 2008 etwa 320 000 HDTV-fähige Set-Top-Boxen verkauft worden. Laut Studie werden bis Ende 2008 34 Prozent der Haushalte mit HD-ready-Displays und nur 2,7 Prozent mit HD-Set-Top-Boxen ausgestattet sein. ZDF und ARD hätten also in den Jahren 2006, 2007 und 2008 für wenige tausend Haushalte den gleichen Inhalt mit mehr Bildpunkten geliefert und das verbunden mit erheblichen Zusatzinvestitionen. Jeder vernünftige Mensch versteht sofort, dass eine solche Vorgehensweise nicht zu vertreten ist.

Das Argument: »Ohne Inhalte keine Anschaffung von HD-Empfangsgeräten« greift zu kurz. Die ProSiebenSat.1-Gruppe begann bereits im Herbst 2005 mit der HD-Ausstrahlung und beendete dies bedauerlicherweise im Frühjahr 2008. Offensichtlich greifen die Geschäftsmodelle der privaten Sender nicht in der HD-Ära. Eine Refinanzierbarkeit der Zusatzkosten konnte nicht dargestellt werden. Sogar mit so attraktiven Inhalten wie der Fußball-WM im Jahr 2006 oder der Bundesliga konnte Premiere schätzungsweise nur schlappe 100 000 HD-Abonnenten gewinnen. Der Sender schweigt vielsagend über die genaue Zahl. Die breite Masse der drei Millionen Premiere-Kunden empfängt »freiwillig« nicht die HD-Ausstrahlung.

Alle Prognosen deuten darauf hin, dass wir erst Ende 2009 die Zehn-Prozent-Marke der Haushalte mit HD-Empfangsmöglichkeit erreichen werden.Der Zeitpunkt zum Einstieg durch das ZDF im Februar 2010 ist also richtig gewählt. Bis dahin wird in Showcases die Auswahl geeigneter Programminhalte für HDTV und die Bildqualität beim Zuschauer getestet, die erforderliche Technik erprobt sowie mit der Umrüstung der Produktions- und Ausstrahlungskette begonnen. Ein wichtiger Meilenstein ist die Leichtathletik-Weltmeisterschaft 2009 in Berlin, die von ZDF und ARD in einem HDTV-Showcase ausgestrahlt wird. Anschließend starten ZDF und ARD im Februar 2010 mit den Olympischen Winterspielen in Vancouver – zusätzlich zur Ausstrahlung in SDTV – mit dem Regelbetrieb in HDTV (über Satellit und teilweise im digitalen Kabel). Das HDTV-Signal wird dann von uns im Format 720p50 ausgestrahlt. Umfangreiche Tests zeigten, dass dieses Format auf modernen Flachdisplays im Vergleich zum Format 1080i25 das bessere Bild liefert. Der EBU-Empfehlung folgend, strahlen nicht nur ZDF und ARD, sondern auch ORF, SRG und ARTE in diesem Format aus. Weitere europäische Rundfunkanstalten wie SVT (Schweden), VRT (Belgien), DR (Dänemark) und NRK (Norwegen) strahlen bereits in 720p50 aus beziehungsweise denken darüber nach, dies in Zukunft zu tun.

Alle Bildschirme, die das HD-ready- oder das HD-ready-1080p-Logo, und alle Set-Top-Boxen, die das HDTV- oder das HDTV-1080p-Logo führen, werden unser Signal problemlos empfangen können.
 
 
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