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2010  
ZDF Jahrbuch
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Wolfgang Freunscht, Sendeleiter ZDF und Digitalkanäle
Jörg-Uwe Boog, Sendeleiter 3sat
Matthias Bruckert, Projektleitung »Sendeleitungen/Sendestraßen«

Aus drei mach eins
Die Zusammenlegung der Sendeleitungen – ZDF, 3sat und ZDFvision

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Wolfgang Freunscht
Wolfgang Freunscht


Jörg-Uwe Boog
Jörg-Uwe Boog


Matthias Bruckert
Matthias Bruckert



Binnenorganisationsstruktur
Binnenorganisationsstruktur


Schema des Workflows
Schema des Workflows


Redaktionsräume der Sendeleitungen
Redaktionsräume der Sendeleitungen
 

Einkanalig und linear – zwei Attribute des ZDF von früher … Heute, im Jahr 2010, sprechen wir von einem multimedialen Unternehmen, mit mehreren Kanälen und unterschiedlichsten Ausspielwegen, Video on Demand und Interaktivität. Veränderungen, die die Sendeleitungen des ZDF natürlich nicht unberührt lassen.

Der Ansatz
Über Jahrzehnte hinweg etablierten sich im ZDF drei Sendeleitungen: die des ZDF, seit 1984 die von 3sat und seit 1999 die Sendeleitung ZDF- vision (ZDFdokukanal – heute ZDFneo –, ZDFinfokanal und ZDFtheaterkanal). Verbunden mit der räumlichen Trennung in Sendezentrum eins und Sendezentrum zwei und basierend auf der Unterschiedlichkeit der Inhalte und Programmformen, war das State of the art. Mit zunehmenden redaktionellen Anforderungen, senderübergreifender Nutzung des gleichen Contents und der Etablierung diverser Zusatzdienste (insbesondere der ZDFmediathek) wurde allerdings offenbar, dass sich Arbeitsabläufe nicht nur verändern müssen, sondern in Teilen auch mehrfach vorhanden waren. Ohne technische Unterstützung konnten aber die notwendigen Anpassungen nicht realisiert werden. Das altbewährte Bandmaterial mit seinen vielen Kopien dominierte die Prozesse.

Der Zeitpunkt war günstig: Es war das Jahr 2007, die Sendeabwicklungen mussten den neuen Standards entsprechend modernisiert werden – HDTV, Dolby Digital, filebasiertes Senden waren die Schlagworte –, und alle nutzten diese Gelegenheit, um ihre Vision vom Fernsehen der Zukunft mit den vielen Formen der Verbreitung endlich in die Realität umsetzen zu können. Produktions- und Sendebetrieb, Hauptredaktion Neue Medien, Controlling und die drei Sendeleitungen erarbeiteten ein entscheidungsfähiges Konzept. Für die Sendeleitungen bedeutete das, die technischen Möglichkeiten mit den bewährten und gewünschten Workflows zu matchen. Losgelöst von Teams, Funktionen und Positionen wurde jede vorhandene Aufgabe der drei Abteilungen analysiert. Es galt, eine leistungsfähige Melange aus Erfahrung, Best practice und Synergie zu schaffen. Jede Tätigkeit wurde nach vorher definierten Grundsätzen beleuchtet und bewertet. In mehreren Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmer über ihre zukünftigen Aufgaben, immer mit der Vision, den eigenen Arbeitsplatz attraktiver und das ZDF als Multimedia-Unternehmen insgesamt leistungsfähiger zu machen – eine besondere Herausforderung neben der täglichen Arbeit, eine Operation am »offenen Herzen«.

Auch die Leitung unterwarf sich diesen Grundsätzen, gab es doch aus der Vergangenheit drei Sendeleiter im ZDF. Es sollte eine Organisationsstruktrur entwickelt werden, die sowohl die Bedürfnisse der zukünftigen Tätigkeiten und Teams berücksichtigt als auch den Anforderungen der Programme und deren Verantwortlichen gerecht wird. Heraus kam eine Struktur, die die multikanalen und multifunktionalen Ansätze ebenso berücksichtigt wie die individuell-programmlichen. Horizontale Teamebenen und vertikale Programmkerne generieren diese gewünschte Kombination aus Professionalität, Konstanz und Teamgeist.

Die Umsetzung eines solchen Veränderungsprozesses ist keine leichte Aufgabe, muss sie doch parallel zum laufenden Betrieb mit seinen täglichen Herausforderungen stattfinden. Unterstützung fand das Führungsteam in der Aus- und Fortbildung: »Methodische Begleitung von Veränderungsprozessen«, so das Programm. Workshops, Teamtage, ein Prozessbegleitteam und immer wieder Kommunikation – die Zutaten für Erfolg? Wir meinen, ja.

Die Veränderung
Wie sich Aufgaben und Arbeitsabläufe verändern, zeigt sich besonders beim Thema »Sendematerial«, obwohl wir bei der Umsetzung einer bandlosen Sendeumgebung noch am Anfang stehen. Klassischerweise wurde rein Band-gestützt gearbeitet; die Sendekassetten mit ihren Begleitpapieren sind nach wie vor Basis vieler Prozesse. Aber senderübergreifende, vor allem zeitnahe Mehrfachausstrahlungen innerhalb der ZDF-Programmfamilie, führten zu kaum mehr überschaubaren Materialwegen, zusätzlichen Kopien, Prüfungen usw. Im ZDFinfokanal wird bereits seit längerer Zeit auf Filebasis geschnitten, in die Sendeumgebung übertragen und gesendet. In Redaktion, Sendeleitung und Sendebetrieb wurden damit wertvolle Erfahrungen gesammelt, die in die Planungen für einen bandlosen Sendekomplex einflossen.

Nach und nach werden jetzt alle Programmkanäle auf bandlosen Betrieb umstellen – das ZDF sendet seit dem 13. Juli ausschließlich Files. Allerdings sprechen wir noch von »bandlosen Inseln«, die erst nach und nach zu einer ZDF-umfassenden neuen Systemlandschaft ausgeweitet werden. So können bisher die erzeugten Files noch nicht archiviert werden und müssen bei einer späteren erneuten Ausstrahlung wieder erzeugt werden. Erst mit der Inbetriebnahme eines übergreifenden Content Management Systems (CMS) 2011 können alle Synergien des filebasierten Workflows genutzt werden.

Die Übersicht zeigt den »bandlosen Workflow«, der mit Ende des Projekts »Zusammenlegung Sendeleitungen/Harmonisierung Sendestraßen« Anfang 2012 umgesetzt sein wird. Momentan befinden wir uns in einer schwierigen Übergangsphase, die komplexe Zwischenlösungen für Redaktion, Sendeleitung und Sendebetrieb mit sich bringt – aber das Ziel ist klar definiert, wird Schritt für Schritt realisiert und zeigt schon jetzt die Vorteile auf: Integration zentraler Prozessschritte in Pharos, Vereinfachungen für die Redaktionen bei der Materialdefinition, Content Management System als zentrales Steuerungsorgan, senderübergreifendes Materialhandling und vieles mehr.

Parallel dazu verändern sich auch die Arbeitsplätze und Tätigkeiten. Stand früher das Annehmen, Prüfen und Einplanen von Bandmaterial getrennt je Sender im Fokus, geht es heute zunehmend um übergreifendes File-Management. Schnittstellen zu Archiv, Mediathek und digitalen Produktionssystemen machen die Landschaft komplexer, aber die Vorgänge im Endeffekt einfacher, weil manche Prozessschritte nur noch einmal für alle Ausspielwege getan werden müssen.

Die Umsetzungen
2010 war das Jahr der ersten kleinen Schritte. Die Sendeleitungen der Digitalkanäle und des ZDF wurden zusammengeführt – quasi aus drei mach zwei. Um die gewünschte Kommunikation auch schon in Richtung der Sendeleitung 3sat zu fördern und zu erweitern, finden regelmäßig gemeinsame große Redaktionssitzungen statt. Das Ziel ist, die kommende Zusammenlegung mit 3sat vorzubereiten und die noch vorhandene Trennung in Sendezentrum eins und Sendezentrum zwei aufzufangen.

Die Zusammenführung wurde in diesem Jahr bereits baulich begleitet, indem die Ablaufredaktion der vier Kanäle ZDF, ZDFneo, ZDFinfokanal und ZDFtheaterkanal neue, direkt nebeneinander liegende Räume beziehen konnte. Transparenz war das Ziel, sowohl für die kanalübergreifenden Arbeitsabläufe als auch für die Räume der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – und damit stand fest: Die Zwischenwände werden ebenfalls transparent und zwar aus Glas. Eine gute Entscheidung, wie die positive Resonanz bestätigt.

Um den gestiegenen Programmanforderungen der einzelnen Kanäle gerecht zu werden – unter anderem wurde aus ZDFdokukanal ZDFneo und aus dem ZDFtheaterkanal wird nun ZDFkultur, jeweils verbunden mit deutlich erhöhtem, Programmvolumen – fokussierten sich die Ablauf­redakteure der Digitalkanäle auf jeweils einen Haupt- und einen Vertretungskanal; in diesem Fall also keine Reduktion, sondern eine bedarfsgerechte Konzentration. Auch in den Exekutiv-Bereichen wurden horizontale Verknüpfungen geschaffen und Mitarbeiter kanal- und teamübergreifend eingesetzt.

2010 war aber auch ein Jahr der Weichenstellungen. Viele Arbeitsgruppensitzungen waren nötig, um die in den Ausschreibungen definierten Soft- und Hardwareanforderungen auf einen höheren Detailgrad zu bringen. Neben der Festlegung von Datenfeldern und Benutzeroberflächen galt es auch, Schnittstellen außerhalb der Sendeleitungsanwendungen zu verifizieren. Wie bereits erwähnt, spielt eine wesentliche Rolle das Planungssystem Pharos, welches immer wieder angepasst und um weitere Funktionen erweitert werden muss. Gerade diese Erweiterungen bedeuteten aber die Einbindung vieler sendeleitungsexterner Bereiche; unter anderem die Planungsredaktionen der einzelnen Kanäle, Programmdatenredaktionen, Betriebsbüros, Produktionsmanager, Sendungsredaktionen und Technik. Dieses Netz und seine Verflechtungen werden immer umfangreicher und gelegentlich auch beliebig kompliziert.

Aber das Grundlegende hat die Beteiligten an dieser Großbaustelle von Anfang an verbunden: eine gemeinsame Zielvorstellung, der Glaube an die Machbarkeit und das Durchhaltevermögen, um die Ideen für eine zukunftsfähige Sendeleitung und einen modernen Sendekomplex Realität werden zu lassen. Die Sendeleitung im ZDF, von einer rein organisatorisch zu einer funktional gesteuerten Sendeleitung. Ein Beispiel für Transformation im ZDF – Fortsetzung folgt.
 
 
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