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Horst Schick

Der perfekte Moment
Relaunch Sportdesign 2006

 
Horst Schick
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Die Bilder zu diesem Text zeigen erste optische Eindrücke des neuen Sportdesigns
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Es liegt mittlerweile mehr als sechs Jahre zurück, dass der visuelle Auftritt der Sportsendungen im ZDF – also noch vor dem großen Sender-Relaunch – zum letzten Mal grundlegend erneuert wurde.

Damals entstanden individuell inszenierte und hochwertig produzierte Titelvorspänne, monochrom und doch kontrastreich aufbereitet. Als signifikantes Element zur Dynamisierung der Szenen wurde das Lightpainting eingeführt. Dieses Merkmal hat sich mittlerweile als ein eigenständiges Kennzeichen für den gesamten Auftritt des Sports im ZDF etabliert.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Bildsprache im Rahmen großer Events (Olympiade, Tour de France, Confed Cup) weiter. Die gedrehten Szenarien folgten einer Erzählstruktur und boten in Kombination mit dem Lightpainting einen harmonischen Farbklang.

Abnutzungserscheinungen im visuellen Auftritt sowie der nicht immer angemessene Farbcode – ein zu intensives Grün – machten über inhaltliche Kritikpunkte hinaus eine zügige Relaunch-Entscheidung erforderlich. Bereits im Programmjahr 2006 sollten »das aktuelle sportstudio«, die »ZDF SPORTreportage« und »ZDF SPORTextra« einem Facelifting unterzogen werden.

Zielsetzung war dabei, »moderner, dynamischer, leichter und emotionaler« als im derzeitigen Look aufzutreten. Eine stärkere Teilnahme an den »emotionalen« Momenten des Sports und eine deutlich verbesserte Anschaulichkeit bei gleichzeitiger Vermittlung von Wissen sollten erreicht werden, ohne Ablauf und Struktur der Sendungen gravierend zu ändern.

Es galt nun, ein visuelles Konzept für den gesamtgestalterischen Auftritt zu entwickeln, das die Designelemente neu strukturiert und auf die Gestaltung von Titelvorspännen, Informations- und Erklärgrafiken anwendet. Das On-Air-Design sollte darüber hinaus mit der Studioausstattung zu einem übergreifenden, durchgängigen Erscheinungsbild zusammengeführt werden. Zentrales Anliegen war die Entwicklung eines umfassenden, modulartigen und flexiblen Designsystems mit einer modernen, medienspezifischen Anmutung.

Bei dem bevorstehenden Entwurfsprozess mussten etliche Parameter berücksichtigt werden, wie zum Beispiel das zukünftige Sendeformat 16:9, neue Farbanmutungen, der ZDF-typische Filmlook, Erklär- und Informationsgrafiken in zeitgemäßer Bildsprache, Material- und Forminnovationen im Studioauftritt, der Transfer der Formensprache in das Setdesign, ein einheitlicher Studioauftritt für alle Sportformate.

Das final ausgewählte On-Air-Design-Konzept »Der perfekte Moment« wurde von der Firma »Acht« in Frankfurt entwickelt. Es überzeugt durch eine eindeutige, anspruchsvolle und klare Gestaltung ohne verspielte oder modische Elemente.

Es präsentiert eine klare und stilsichere Bildsprache, die auch emotionale, packende und leidenschaftliche Attribute miteinschließt. Ein zeitgemäßer Auftritt – vermittelt durch eine treffende Farb- und Lichtstimmung sowie durch die Weiterentwicklung des Lightpaintings. Alle Gestaltungselemente folgen der Prämisse, frisch und modern, aber auch zeitlos zu sein. Sie weisen einen durchgehenden Look und hohe Funktionalität bei unverwechselbarer Identität auf. Neben dem Lightpainting, das in dieser Form kein anderer Sender besitzt, wurde ein neuer Farbcode und eine Filmästhetik mit charakteristischen Farbgebungen kreiert.

Nicht eine einzelne Farbe charakterisiert wie bisher den Sportbereich, sondern ein harmonisch aufeinander abgestimmtes Farbspektrum von vier Grundfarben, die von kühlen, frischen bis zu warmtönigen Anmutungen alle Sommer- und Wintersportarten repräsentieren. Plakative Farbwelten werden auf das Essentielle konzentriert und sportadäquat mit Fokus auf Sportler, Sportgerät und Bewegung ausgewählt. Die Einbindung in den konkreten räumlichen Kontext mit Zuschauern vermittelt darüber hinaus Authentizität und emotionale Nähe des sportlichen Wettbewerbs.

Das Konzept »Der perfekte Moment« impliziert, dass eine sportliche Höchstleistung nur dann erbracht werden kann, wenn eine Sportart perfekt ausgeführt wird. Das Lightpainting zeichnet den virtuosen Bewegungsablauf des Sportlers nach und wird im Zusammenspiel mit dem Akteur und seiner Höchstleistung zu einer »räumlichen Installation«, die den Athleten umgibt. Dabei zeigen die totalen Einstellungen den Bewegungsablauf als Ganzes. Alles ist auf den einzigartigen Höhepunkt ausgerichtet, auf den ein Sportler hinarbeitet – die absolute Perfektion: Konzentration, Höchstleistung, Jubel. Während der Sportler in Aktion ist, steht er mit Unterstützung des Lightpaintings in einer dreidimensionalen Wirkung eindrucksvoll im Raum.

Das Lightpainting erhält eine neue »Konsistenz«. Durch individuelle Linien werden neue grafische Strukturen des Lightpaintings erzeugt. Sie verstärken weiterhin die Bewegung, sind aber auch in der Lage zu »erzählen« – von Perfektion, Kraft, Widerstand, Schnelligkeit, Belastungen, Taktik, Kampf und Schönheit.

Tabellen und Insertierungen bilden ein modulares System und sind nach Bedarf erweiterbar. Die Anordnung der Schrift ist genau im goldenen Schnitt des Flächenrasters und dabei linksbündig ausgerichtet. Wappen, Flaggen und Vereinslogos sind im Anschnitt eingebunden und Teil des Insertbalkens. Dieser ist in allen Anwendungen weiß-transparent und wird mit leicht bewegtem Glanzeffekt elegant ins Bild animiert.

Das Ziel, Zusammenhänge und Erlebnisqualitäten sportlicher Ereignisse zukünftig effizienter zu präsentieren, kommt insbesondere bei der visuellen und dramaturgischen Aufbereitung von Erklärstücken und Landkarten zum Ausdruck. Bei dreidimensionalen Erklärstücken wird mit Hilfe eines »Röntgenlooks« eine besondere Darstellungstechnik etabliert, die über Transparenzen Funktionsabläufe nachvollziehbar macht und zusätzlich eine individuelle ZDF-typische Visualisierung ermöglicht.

In dem präferierten Konzeptvorschlag des Münchener Setdesigners Florian Wieder für das neue Studiodesign besteht die Möglichkeit, die Farbigkeit des Sets individuell hinsichtlich der Anpassung an das Erscheinungsbild der Sommer- und Wintersportarten zu verändern.

Der Einbau modernster LED-Technik erreicht ein Maximum an Flexibilität. Horizontale Glasstreifen umfassen in einer 360-Grad-Anordnung den kompletten Studioraum und nehmen formal Bezug auf die Formensprache des On-Air-Designs.

Das Set integriert medial bespielbare Flächen so, dass eine Verschmelzung aus bewegtem Bild und Architektur stattfinden kann – es wird zum Leben erweckt. Das Publikum umgreift durch erweiterte Tribünen die Spielflächen. Durch diese kompakte Anordnung wird eine große »Raumdichte« und »Nähe« geschaffen. Eine Talksituation ist vor dem Publikum platziert, sodass dieses optisch mit eingebunden wird.

Der Sport-Relaunch erforderte in allen Phasen der Entwicklung und Implementierung einen intensiven Austausch unterschiedlicher fachlicher Qualifikationen. Neben der gestalterischen Aufgabe musste die Implementierung aller standardisierten grafischen Tools infolge der Umstellung auf neue technische Systeme zweigleisig erfolgen. Zusätzlich waren alle Gestaltungselemente parallel im Format 4:3 und 16:9 aufzubereiten. Das video- und lichttechnische Equipment im neuen Studio­set erforderte auch hier neben gestalterischen Aspekten eine intensive Zusammenarbeit in den Bereichen Studiotechnik, Regie, Kamera, Licht- und Bühnentechnik. Vor dem Hintergrund der unzähligen Maßnahmen dieses außerordentlich komplexen Projekts kam es ganz besonders auf ein effizientes Zusammenspiel der beteiligten Mitarbeiter aus den jeweiligen Fachdisziplinen an.

Dieser Relaunch setzt für das ZDF ein deutliches Zeichen hinsichtlich seines modernen und zukunftsweisenden Erscheinungsbildes. Das Design darf dabei nicht statisch, sondern als Prozess aufgefasst werden, der sich immer weiter entwickeln und verändern muss. Die Kraft und Unverwechselbarkeit des neuen Auftritts wird nachhaltig und dauerhaft spürbar, wenn alle an der Weiterentwicklung beteiligten Kolleginnen und Kollegen die entsprechenden Regeln im Umgang mit den neuen Gestaltungselementen berücksichtigen.

 
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