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2005  
ZDF Jahrbuch
Grundlagen der Programmarbeit
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Kristina Hansen

Endlich im Herzen Hamburgs

 
Kristina Hansen
Kristina Hansen


Das Gebäude des Landesstudios Hamburg
Das Gebäude des Landesstudios Hamburg
 

»Eigentlich müsste man Eintritt bezahlen, wenn man darin arbeitet«, meint Hadi Teherani über das Deichtorcenter mitten in Hamburgs Innenstadt. Seit einem halben Jahr ist hier im siebten Stock das ZDF-Landesstudio zu Hause. Nein, ganz so weit ist es dann doch noch nicht gekommen, aber eigentlich hat er trotzdem Recht, Hadi Teherani, der Architekt des Gebäudes.

Das mehrfach preisgekrönte Deichtorcenter ist einer der schönsten, wenn nicht der schönste Neubau am Hamburger Hafen. Ein dreieckiger Glaspalast mit garantiertem Panoramablick über die Hansestadt. Aus beinahe jedem Büro eine andere Perspektive, Hamburg liegt, zumindest in dieser Beziehung, dem ZDF zu Füßen.

Mehr als 40 Jahre war das Landesstudio weit draußen in Hamburgs Osten im Stadtteil Tonndorf auf dem Gelände der Film- und Fernsehproduktion Studio Hamburg untergebracht. Doch für den aktuellen Betrieb des Landesstudios entwickelte sich der Standort Tonndorf, weitab vom Zentrum, immer mehr zum Problem. Mal eben schnell für die Zwölf-Uhr-»heute« oder die »drehscheibe Deutschland« ein Stück machen? Ging oft nicht – zu weit die Wege in die Stadt und wieder zurück.

Die Wünsche der Zentrale an ein Stadt-Studio wie Hamburg haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert, immer mehr und immer aktuellere Sendungen – inzwischen gibt es Nachrichten fast rund um die Uhr. Die globalisierte, vernetzte Welt ist ein Dorf geworden, ein O-Ton aus Paris oder Washington war häufig schneller in der Zentrale als ein O-Ton aus Hamburg.

Aktuelles Arbeiten ist immer ein Wettlauf gegen die Zeit, aber für die Reporter in Hamburg war er häufig nicht zu gewinnen. Mehr als zwei Stunden standen die Kolleginnen und Kollegen manchmal im Dauerstau – kaum zu verstehen im ZDF Sendezentrum auf dem Mainzer Lerchenberg: »Wieso braucht Ihr so lange, Ihr seid doch nur in Hamburg unterwegs!«

Für den früheren Studioleiter Knut Terjung gab es deshalb nur eine Antwort: Umzug in die Innenstadt. Über Jahre hat er vor allem in Mainz dicke Bretter gebohrt. Hartnäckig und zielstrebig ist er der Leitung des Hauses auf die Nerven gegangen – mit Erfolg!

Denn jetzt ist alles anders: Manchmal heißt es sogar »wir gehen zum Drehen« – viele für Hamburg wichtige Ereignisse finden in unserer unmittelbaren Nähe statt: das Rathaus – nur ein Steinwurf vom Studio entfernt. Das Herz Hamburgs, der Hafen – vor unserer Haustür. Die Hafencity, eines der größten Bauprojekte Europas – ein Blick aus dem Bürofenster. Airbus, neben dem Hafen der Job-Motor der Hansestadt – ein schneller O-Ton kein Problem.

Und da wir ja alle auf Studio-Statistik und Auslastung schauen: Der Umzug rechnet sich auch. In den ersten sieben Monaten im neuen Domizil haben wir rund 20 Prozent mehr Sendeminuten fürs Programm abgeliefert, und das zu günstigeren Preisen.

Doch nicht nur das: So schwer die Reporter sich taten, an die Brennpunkte des Geschehens zu gelangen, so wenig Lust hatten oft Interviewpartner, zum ZDF zu kommen. Für ein 2’30-Schaltgespräch in den Wöschenhof? Nein danke, beim NDR ist man doch viel schneller – undankbare Voraussetzungen.

Die Hamburger Zweigstelle der ZDF-Pressestelle musste über Jahre teure Räumlichkeiten in Innenstadthotels anmieten, um ZDF-Produktionen zu vermarkten – heute kommen alle Schauspieler und Regisseure (und die ZDF-Kollegen aus Mainz) gerne in unser Studio. Die »Hamburger Welt« kommt zu uns, denn wir sind ein Teil davon.

Mindestens genauso wichtig: Das Landesstudio ist enger zusammengerückt. Fast 4 000 Quadratmeter »bewohnten« die ZDF-Mitarbeiter im alten Studio – noch geplant und gebaut, als mehr als 80 Mitarbeiter festangestellt waren. Heute sind es nur noch 45 »Feste« und im Deichtorcenter gibt es nur noch knapp 2 000 Quadratmeter.

Auf den weiten Fluren des Wöschenhofs in Tonndorf liefen sich manche Kollegen kaum über den Weg, das ist vorbei. Alles auf einer Etage, hier muss man sich begegnen – Kommunikation miteinander ist Alltag geworden, eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Und jeder weiß mehr von der Arbeit des anderen – Kritik und Lob, beides wird schneller ausgesprochen –, ein Fortschritt. Corporate Identity heißt auch Offenheit, Transparenz und Ehrlichkeit – wohl fühlen muss man sich in seinem Beruf und dazu gehört auch, wahrgenommen zu werden. Ein gläsernes Studio eben!

Und, eine kleine Bemerkung nebenbei: Wer etwas essen will, muss die Studioenklave verlassen, muss raus in die Hamburger City. Die Begegnung mit anderen, nicht ZDF- oder sonstigen Medien-Mitarbeitern, gehört jetzt für alle zum Berufsalltag – kein Raumschiff mehr, auch wenn es ein kleines war.

Der Medienstandort Hamburg: Das ZDF im Deichtorcenter ist den »Großen« in der Stadt nun räumlich näher gerückt: Springer, Gruner & Jahr, Der Spiegel, Bauer-Verlag, Jahreszeiten-Verlag, DIE ZEIT – sie alle sind schon seit Jahrzehnten da, wo Journalisten hingehören – mittendrin.

Also doch »Eintritt zahlen dafür, dass man hier arbeiten darf?«

Nein. Aber: Ein Privileg ist es allemal.
 
 
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